Ärger mit dem Praktikum? Praktika sind aus dem Alltag von StudentInnen nicht mehr wegzudenken. Ob verpflichtend im Studienplan vorgesehen, als Sommerjob oder als Berufseinstieg direkt nach dem Studium – kaum jemand kommt daran vorbei.

Keine Bezahlung, Überstunden, keine Versicherung, keine arbeitsrechtliche Absicherung – diese Bedingungen sind nicht selten.

Der VSStÖ fordert kollektivvertragliche Entlohnung und volle sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung von PraktikantInnen. Um zu garantieren, dass Unternehmen ihre PraktikantInnen nicht ausnutzen, wollen wir in der ÖH einen „Code of Conduct” ausarbeiten. Unternehmen die diese Richtlinien einhalten, bekommen dafür ein ÖH Gütesiegel. Ziel ist, dass du als PraktikantIn schon vorher weißt welche Unternehmen für dich ein akzeptables Praktikumsumfeld bieten.

Dafür brauchen wir aber deine Hilfe! Schreib uns hier von deinen schlechten Erfahrungen, die du bei diversen Praktika schon gemacht hast – und welche Regelungen du dir als Praktikantin wünschen würdest.

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1 » Besser als etwas alphabetisch zu ordnen …
ist doch wohl Serviettenfalten! In einem meiner Krankenhauspraktiken wurde mir die ehrenvolle Aufgabe erteilt, Servietten für die komplette Station (ca. 30 Betten) zu falten. Bei drei Mahlzeiten täglich ist hier der Wochen- und Monatsbedarf nicht allzu gering. Auch Transportwege auf andere Stationen konnten meine jungen Beine noch eher erledigen und das nachteilen von Zuckerpäckchen und Einmalhandtüchern in den Zimmern bereitete mir auch enorme Freude. Sarkasmus Ende.

2 » Ich hätte so gern kopiert...
Ich habe vorigen Sommer ein einmonatiges Praktikum bei einer Zeitschrift gemacht. Zuerst konnte ich gar nicht fassen, dass ich angenommen wurde, weil sich dort wahnsinnig viele Leute bewerben und weil ich immer schon bei DER Zeitschrift arbeiten wollte. Aber schon bald erwies sich mein „Traumpraktikum“ als regelrechter Albtraum. Ich wurde von Woche zu Woche von Abteilung zu Abteilung geschupst und starrte den ganzen Tag auf den Bildschirm vom PC und machte NICHTS. Und damit meine ich wirklich nichts. Ich bekam keine Aufgaben zugeteilt und durfte logischerweise auch nicht im Internet surfen. Die behandelten mich wie Luft und mir kam jeder Tag endlos vor. Am liebsten hätte ich sie angefleht: „Bitte lasst mich doch kopieren oder Kaffee kochen!“ Aber nix da. Als das Praktikum vorbei war, war ich heilfroh. Fürs Nichtstun bekam ich natürlich auch nichts!

3 » Sowas wie Studentenermäßigung für Praktikanten?
Ich glaube, es ist schwer durchzusetzen, dass alle Praktika ordentlich bezahlt werden, da viele Unternehmen leider von den PraktikantInnen leben (ist natürlich schrecklich, dass es so ist, aber sicher nicht so schnell zu ändern). Und lieber ein unbezahltes Praktikum, dass evtl. Perspektiven auf einen bezahlten Job eröffnet als gar keins. Allerdings wäre es schön, wenn man wenigstens weiterhin Studentenermäßigung bei öffentlichen Verkehrsmitteln, Theater etc. hätte, auch wenn man mit dem Studium schon fertig ist. Ob man einmal in der Richtung was machen könnte?

4 » kopieren und telefonieren
mein praktikum in einer bank bestand so gut wie nur aus kopieren und der beantwortung von anrufen. musste aber doch 40 stunden die woche anwesend sein - wäre ich ein einem anderen unternehmen für 10 stunden die woche geringfügig beschäftigt gewesen, hätte ich wohl etwa das gleiche verdient.

5 » Faire Bezahlung
Ich finde Prakitka an und für sich gut, aber sie sollten gerecht bezahlt werden!!! Wenn man bereits einige gemacht hat, kann es durchaus sein, dass man eine beinahe vollständige Arbeitskraft darstellt. Aber 100 Euro für 20/h pro Woche oder besser 200 Euro für 40/h geht einfach nicht. Wovon soll man denn leben? Da kann ich nicht mal meine Wohung bezahlen! Und die Eltern zu fragen, ob man bitte Geld bekommt, dass man arbeiten gehen kann, grenzt schon an Ironie!

Gott sei Dank, kenne ich auch ein anderes Beispiel: Red Bull bezahlt ca. 1200 Euro für ein Monat und gelernt habe ich dabei auch noch sehr viel. So viel habe ich bei allen Praktika, die ich bisher gemacht habe, zusammen nicht verdient.

6 » Betrug
Es ist ausgesprochen schwer, überhaupt ein Praktikum bei einem Verlag zu bekommen (Anmeldezeiten von ein bis zwei Jahren sind keine Seltenheit!) , deshalb habe ich mich sehr gefreut, als es endlich geklappt hat.
Mein Chef hat sich dann aufgespielt, dass er der einzige sei, der noch etwas fürs Praktikum zahle, was mich anfangs nur noch mehr freute. Doch nach ein zwei Wochen, habe ich bemerkt, dass ich einfach nur nerve (obwohl ich zwei Dissertationen komplett layoutiert habe) und er mich als Fußabstreifer für seine Launen und Agressionen benutzt, am Ende hat er mir nichts bezahlt. Er hat mich permanent erniedrigt. Das war das letzte Gratis-Praktikum. smiley

7 » Auslandspraktikum
Hab echt ein tolles Auslandspraktikum erwischt. Die Firma hat mir den Flug nach Mexiko bezahlt, zahlt mir die Unterkunft plus ich lern echt viel hier. 'Ach ja 1000 Euro bekomm ich auch noch monatlich.
Bei manchen Studienfächern ist es halt schwierig ein vernünftiges Praktikum zu bekommen wie zB. Psychologie, PR Studien usw.

Schaut das ihr euren Lebenslauf ein bisschen auffrischt und versucht Sprachen zu lernen. Ich sprech schon Spanisch und Englisch. Macht euch interessant für die Firmen

lg ein zufriedener praktikant smiley

8 » Pflichtpraktikum
Ich bin Studentin der Pschologie und muss im Rahmen meines Studiums 320 Stunden Praktikumszeit absolvieren. Was man als Praktikantin bezahlt bekommt ist total unterschiedlich. Ich habe zum Beispiel bei meiner Praktikumsstelle 100 ¤ für 160 h bekommen, während Studierende im klinischen Bereich nichts bezahlt bekommen. Jedoch bekommen diese vort Ort das Essen gratis, während ich dieses mit den 100 ¤ finanzieren musste. Also eine Nullsummenrechnung quasi. Das Problem ist, dass wir PsychologInnen ein Paktikum machen müssen, die Firmen das wissen und dann selbstverständlich glauben, nichts zahlen zu müssen. Mehr als unfair, wenn man bedenkt wie viele Studierende neben dem Studium regulär arbeiten müssen, um sich ihren Lebensunterhalt zu finanzieren!!!
Abschließend möchte ich aber noch feststellen, dass ich an meinem Praktikumsplatz sehr viel gelernt und ich mich mit meinem "Boss" auch echt gut verstanden habe.

9 » 200 Euro weniger durch Praktikum
Ich habe schon während meiner Schulzeit in den Ferien immer als Urlaubsvertretung in der Verwaltung eines größeren Produktionsbetriebes gearbeitet. Nach meiner Matura hieß es dann plötzlich aus der Personalabteilung, ich könne gerne wieder bei ihnen arbeiten, aber nur als Praktikant, aufgrund von Sparmaßnahmen wäre ein normales Dienstverhältnis nicht mehr möglich. An meiner Tätigkeit hat sich gar nichts geändert, aber ich bekam diesen Sommer 200 Euro weniger netto ausbezahlt - war übrigens mein letzter in diesem Betrieb smiley

10 » 400 ¤ im Fernsehen
Ein Praktikum im Fernsehsender: für die Gutverdienenden arbeiten, die dann 4 Stunden Freizeit haben und dabei in 4 Wochen soviel bekommen, wie die in einer. Aber: die einzige Möglichkeit ohne B-Vitamin dort arbeiten zu können!

11 » PR PRAKTIKUM
Letztes Jahr habe ich in einer PR Firma ein Praktikum bekommen, das Praktikum hat auf der praktischen Seite an und für sich alle meine Erwartungen erfüllt. Die Leute waren voll aufgeschlossen und haben sich die Zeit genommen mir die Dinge zu erklären wenn nicht gerade ein Kunde in der Nähe war.

Einziger Kritikpunkt. Die Bezahlung war echt mies für (reale) 50 Stunden die Woche habe ich gerade mal 1400 Euro bekommen smiley ganz zu schweigen von einer Berücksichtigung meiner Urlaubsansprüche...

12 » excel tabellen und aktenschränke
ein praktikum im ausland wünschen sich alle. wenn man dann aber vier wochen da sitzt und hunderte hedge-fonds-adressen in excel tabellen eingibt oder aktenschränke einordnet, hilft die tollste umgebung nichts.

13 » 72 Wochen Praktikum
Willst du Zahnarzt/Zahnärztin werden, darfst du mal schöne 72 Wochen gratis arbeiten. Das heißt, ich muss 1 1/2 Jahre jeden Tag in der Klinik stehen, normale PatientInnen behandeln und bekomme dafür exakt 0 Euro. Wie ich meinen Lebensunterhalt in der Zeit bestreite, interessiert wohl niemanden, schon gar nicht die Uni. Hauptsache gratis Arbeitskraft.

14 » kopieren
ein klassiker für praktika oder? am meisten spaß macht stundenlanges kopieren selbstverständlich dann, wenn das praktikum unbezahlt ist. aber eigentlich hätte ich mich ja glücklich schätzen müssen, meinte zumindest meine vorgesetzte und erklärte vor dem versammelten praktikantInnenteam: "bei anderen firmen müsstet ihr die toiletten putzen."
tja, bei der reinigungsfirma eines bekannten hätte ich als sommeraushilfe dafür aber bezahlt bekommen...

15 » Praktikum VOEST
Ich möchte auch von meiner letzten Praktikumserfahrung berichten:

Ich hab letzten Sommer bei der VOEST in Linz gearbeitet und habe innerhalb eines Monats (dank freiwilligen Sonntags- und Feiertagsdienst) ganze 2000 ¤ Netto verdient!

Echt eine tolle Sache so ein Praktikum!

smiley

16 » alphabetisch ordnen II
auch in meinem praktikum in einer bank wurde ich mit einem hochinteressanten "projekt" konfrontiert: dieses bestand darin, die kreditaktenarchive im keller von chronologisch auf alphanumerisch umzusortieren. etwas anderes habe ich 4 wochen lang nicht gemacht. ob den praktikantInnen im nächsten sommer dann die umsortierung von alphanumerisch auf chronologisch aufgetragen wurde, weiß ich zwar nicht - ich kann es mir aber im sinne der beschäftigungsbeschaffung gut vorstellen. fazit: learning-outcome gleich null und mit ca. 450 euro auf 4 wochen auch alles andere als gut bezahlt

17 » alphabetisch ordnen
... kann ich mitterweile sehr gut. bücher, bilder, zettel, ordner. auch hab ich im verlauf diverser praktika meine kompetenzen im aktenordnerrückenschilder-erstellen ungemein ausweiten können. danke außerdem für die volontariatsverträge (genau, das sind die wo du nichts verdienst) - da verkauf ich lieber wieder vanille-softeis, davon durfte ich wenigstens so viel essen wie ich wollte.

18 » beim prakikum was lernen?
wohl eher nicht. hab mal ein einmonatiges praktikum in einer rechtsanwältInnenkanzlei gemacht. danach konnte ich wirklich gut kopieren, mehr hab ich dort nicht gelernt. und bezahlung gabs natürlich auch keine. hätte meinen sommer auch netter verbringen können.

19 » "praktikum"
letzten sommer hab ich ein mich für ein praktikum bei einer pr-firma beworben beworben und es auch bekommen. zuerst hab ich mich total gefreut, aber bald hab ich gemerkt: praxis krieg ich eher im kaffeemachen und zimmer für besprechungen vorbereiten anstatt in public relations. geld hab ich dafür natürlich keins bekommen.

20 » Vetmed Praktikum
Ich studiere an der veterinärmedizinischen Uni und habe den gesamten letzten Sommer damit verbracht ein unbezahltes(!) Pflichtpraktikum zu machen. Das Arbeitspensum ging weit über 50 Stunden in der Woche hinaus, der Lerneffekt war gering. So etwas ist eine Frechheit!
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